Predigt: Seligpreisungen 1 – die (vor Gott) arm sind

Diese Predigt über Matthäus 5,3 wurde am 1. Februar von Pastor David Bunce gehalten. Leider fehlen die ersten 5 Minuten der Tonaufnahme, die sind aber hier schriftlich zu lesen

„Wer ist selig? Was heißt es, selig zu sein? Ist es etwas, was ich tun muss – oder etwas, das mir zugesprochen wird, etwas, das ich bin? Wie sieht ein glückliches Leben aus? Ist ein glückliches Leben dasselbe wie ein erfolgreiches Leben – oder etwas anderes?

Ich beginne eine neue Predigtreihe über die Seligpreisungen, und wir werden einige dieser Fragen miteinander anschauen. Woche für Woche werden wir uns mit einer bestimmten Seligpreisung beschäftigen und sie genauer betrachten. Gleichzeitig werden wir immer wieder herauszoomen und das größere Ganze in den Blick nehmen: Wie hängen die verschiedenen Seligpreisungen zusammen? Wie passen sie in die Geschichte Jesu hinein – in sein Leben, seine Kreuzigung und seine Auferstehung? Wie passen sie in die Geschichte der Gemeinde Gottes hinein? Oder vielleicht sogar in die Geschichte der Menschheit?

Wovon reden wir, wenn wir über die Seligpreisungen sprechen? Meist werden wir aus dem Matthäusevangelium lesen – aber es gibt eine recht ähnliche Liste in Lukas 6. Es gibt inhaltliche Überlappungen, aber auch Unterschiede.

Zum Beispiel: Im Matthäusevangelium lesen wir: „Selig sind, die wissen, dass sie vor Gott arm sind.“ Da ist vielleicht eine geistliche Armut gemeint – meine Gottesbeziehung. Im Lukasevangelium sagt Jesus: „Selig seid ihr Armen.“ Da ist sehr wohl physische oder wirtschaftliche Armut gemeint. Und falls wir meinen: Na ja, es ist eh dasselbe – ein paar Verse später im Lukasevangelium kommt ein Weheruf als Pendant: „Wehe euch, ihr Reichen.“

Wem gelten die Seligpreisungen? Im Lukasevangelium redet Jesus im Tal mit seinen Jüngern – also im engeren Kreis. Im Matthäusevangelium redet Jesus auf einem Berg – auch ein Pendant zur Gesetzgebung im Alten Testament. Dort sind seine Jünger bei ihm, aber Jesus spricht auch zu einer größeren Menschenmenge.

Und wer sind wir, die die Seligpreisungen lesen? Über die letzten 2000 Jahre haben unterschiedliche Christen diese Verse gelesen – und sind zum Teil zu unterschiedlichen Auffassungen und Verständnissen gekommen. Ein Teil dessen, was es heißt, in der Gemeinde Gottes das Wort Gottes zu lesen, ist das Hinhören darauf, wie unsere Brüder und Schwestern in der Vergangenheit diese Verse verstanden haben. Gleichzeitig haben wir unseren eigenen Kontext – und der ist anders als der Kontext unserer Brüder und Schwestern in anderen Ländern.

Ich lese zum Beispiel ein Buch über die Seligpreisungen von Pastoren und Theologen in der Ukraine. Dort haben die Seligpreisungen über Trauer oder Friedenstiftung eine ganz andere Gewichtung als bei uns im Salzkammergut. Auch da müssen wir hinhören.

Also werden wir die einzelnen Seligpreisungen betrachten, aber auch immer wieder die Frage stellen: Wie lesen wir das Wort Gottes? Wo haben wir vielleicht von anderen zu lernen? Und was bedeutet das für unser Leben in der Nachfolge Christi?

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